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Interview mit Simone May über digitale Trauerfeier in Magazin Bestattung

Per Stream mittendrin, unter dieser Überschrift ist in der aktuellen Ausgabe 02/2021 ein zweiseitiger Artikel mit Interview über uns erschienen.

Aus: Bestattung 02/2021, Carolin Oberheide im Gespräch mit Simone May

Als Unternehmensberaterin und Coach berät und begleitet Simone May seit mehr als zwanzig Jahren Menschen in schwierigen, herausfordernden Lebenssituationen dabei, nach vorne zu schauen und Krisen zu bewältigen. 2020 gründete sie digitaletrauerfeier.de, einen von Bestattungsunternehmen unabhängigen Service. Das Ziel: Menschen in schweren Zeiten unterstützen, gemeinsam würdevoll zusammen Abschied zu nehmen und das letzte Fest in schöner Erinnerung zu behalten.

Wer bucht eine digitale Trauerfeier?

Wir richten uns direkt an Angehörige, Freunde, Bekannte, Kollegen oder Vereinsfreunde des bzw. der Verstorbenen. Die digitale Trauerfeier ergänzt aber auch die analogen Leistungen von Bestattungsinstituten, sodass wir auch Bestatter ansprechen. Da unsere Leistungen modular kombinierbar sind, können wir sowohl eine kleine familiäre Trauerfeier als auch einen Abschied im Kollegen- oder Vereinskreis gestalten.

Wie läuft die Arbeitsteilung mit dem Bestattungshaus?

Unabhängig von Corona finden immer mehr Trauerfeiern im kleinsten Familienkreis statt. Gerade aktuell doch auch generell ist es vielen Familienmitgliedern nicht möglich, zur Bestattung anzureisen. Und auch außerhalb der Familie gibt es Menschen, die das Bedürfnis haben, Gedenken zu zelebrieren und gemeinsam Abschied zu nehmen, etwa im Freundeskreis oder im Verein. Hier kommt die digitale Trauerfeier ins Spiel – ein von der Leistung des Bestattungshauses unabhängiger und ergänzender Service, von dem alle Beteiligten profitieren.

Wie läuft eine digitale Bestattung ab?

Das Herzstück ist unser moderierter virtueller Austausch der Trauergemeinde als geschlossene Videokonferenz. Bis zu 100 Hinterbliebene können sich an der digitalen Feier beteiligen und Erinnerungen teilen. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Leistungspakete. Im Vorgespräch erfahre ich, worauf die Auftraggeber bei der Trauerfeier Wert legen. Wir besprechen in Ruhe, wie die digitale Trauerfeier der Persönlichkeit des oder der Verstorbenen bestmöglich gerecht wird. Auf Basis dieser Informationen organisiere und moderiere ich die Veranstaltung und berate die Auftraggeber außerdem, wie sie die Trauergemeinde sinnvoll in die digitale Trauerfeier einladen und einbeziehen.

Eine Besonderheit ist das virtuelle passwortgeschützte Trauerbuch, das wir für die Auftraggeber und die Trauergemeinde auf unserer Website erstellen. Hier findet die Trauergemeinde alle wichtigen Informationen zur Feier, kommentierte Erinnerungsfotos  und auf Wunsch ein virtuelles Kondolenzbuch. Wenn Auftraggeber dies wünschen, können die Eingeladenen im Vorfeld Beiträge einsenden, etwa kommentierte Fotos, aber auch schriftliche Erinnerungen. Nach Abstimmung mit und Freigabe durch den Auftraggeber laden wir diese hoch und fügen sie ins Trauerbuch ein. Aus den Trauerbuch-Beiträgen gestalten wir auf Wunsch einen Videoclip. Übrigens ist auch eine Spenden-Option in das Trauerbuch integriert. So können sich die Trauergäste optional an den Kosten der Feier beteiligen.

Wie „konzertieren“ Sie als Veranstalterin eine individuelle digitale Trauerfeier?

Das hängt sowohl vom gebuchten Paket als auch von der Ausrichtung der Feier ab: Nimmt hier ein Karnevalsverein Abschied von einem Vereinsmitglied oder geht es etwas konservativer zu? Eine digitale Trauerfeier in unserem Premium-Paket beginne ich als Moderatorin beispielsweise mit der Begrüßung und Einstimmung der Gäste, bevor wir per Livestream in die Trauerhalle schalten. Im Laufe der Feier können eine Trauerrednerin oder ein Trauerredner ebenso live zugeschaltet werden wie Musikerinnen, die exklusiv für die jeweilige Trauergemeinde live online singen. Auch eigene Beiträge aus der Trauergemeinde können wir aus dem Trauertalk in den Livestream einbinden. Inhalte und Ablauf bespreche ich vor der Feier genau mit den Auftraggebern. Je intensiver der Austausch, umso persönlicher die Trauerfeier, desto passender die Musik, die Inhalte und die Erinnerungen.

Sie sind von Haus aus Beraterin für Veränderungsprozesse. Welche Motivation steht hinter „Digitale Trauerfeier“?

Ich habe das Unternehmen im vergangenen Jahr gegründet, als wir uns Corona-bedingt alle täglich mit Krankheit und Tod auseinandersetzen mussten und klar wurde: Bestattungen im üblichen Rahmen wird es bis auf Weiteres nicht geben. Gemeinsam Abschied zu nehmen und zu gedenken, ist jedoch einer der berührendsten menschlichen Veränderungsprozesse, die wir alle erleben und zentral in der Trauerarbeit. Ich möchte mit der digitalen Feier Menschen zusammenbringen, die aufgrund der räumlichen Entfernung zum Bestattungsort oder wegen Corona-Auflagen nicht zusammenkommen können. In meiner Unternehmensberatung Orange Consulting spielen Emotionen im Übrigen auch eine große Rolle. Zum Beispiel wenn wir mit unserer Freufaktor-Analyse erfreuliche Arbeitsumstände schaffen und für mehr Freude am Job sorgen. Ich wünsche mir, dass Menschen trotz des traurigen Anlasses sich mit Freude an die gemeinsame Zeit mit dem Verstorbenen erinnern und dass sie Freude an der Trauerfeier haben. Daher geben wir unser Bestes, dass diese stimmig ist und den Verstorbenen so würdigt, dass er bzw. sie sich über dieses letzte Fest genauso gefreut hätte.

Interview: Carolin Oberheide, Bundesverband Bestattungsbedarf

Das Magazin des Bundesverband Bestattungsbedarf erscheint vierteljährlich und informiert als Fachmagazin über aktuelle Trend in der Bestatterbranche.

20.04.2021